Auszeichnungen '14


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Shorts

MeTube: August sings Carmen 'Habanera'

von Daniel Moshel


GewinnerIn in der Kategorie Shorts

Das Projekt "MeTube" bezeichnet das Cross-Over aus Operngesang, elektronischen Klängen und raffiniert skurriler Selbstinszenierung. Wissend, dass Tenor August Schram sich gerne zwischen Gesang, Kunst und neue Medien bewegt, fusionieren der Filmemacher und der Opernsänger. Das Ergebnis ist die Verbindung zeitgenössischer Interpretation von klassischem Operngesang, neuen Medien und künstlerisch, raffinierter Selbstinszenierung mit einer Portion Selbstironie gelungen. Kein geringeres Stück als George Bizets Habanera aus „Carmen“ wurde für MeTube neu interpretiert und um elektronische Klänge erweitert.

URL: http://www.metube.at


Youtube-Anachronismus als Ouvertüre eines gewitzten Opernremix-Spektakels: Ein Mann umgeben von biederstem 70er-Jahre-Interieur. Vor beigefarbener Mustertapete thront das Porträt von Maria Callas, aus dem Kassettenrekorder erklingt die „Habanera“ aus Bizets Oper „Carmen“. Während Schlieren durch das statische Bild der vermeintlichen Webcam ziehen, gibt der Protagonist und tatsächliche Interpret, Tenor August Schram, verhalten den Sänger, seine Mutter reicht dazu Milch und Jausenbrot. Adoleszente (Netz-)Selbstdarsteller_innen sehen anders aus, deren Jugendzimmer sowieso.

Erst ein greiser, geknebelter Pianist im Rollstuhl bringt visuelle Unruhe in die scheinbar penibel sortierte Bürgerlichkeit. Zunehmend unzähmbar – wie die Liebe bei Bizet – erwehren sich Protagonist_innen und Setting fortan den Grenzen der Wirklichkeit. Wer dabei die Fäden zieht – Mutter, Sohn, Medium – bleibt konsequent uneindeutig. Wie variierende Layer von Schrams Persönlichkeit legen sich Kamerafilter über das nunmehr hochaufgelöste und bewegte Filmbild: Schram im Kostüm der Carmen, umgarnt von Männern in Latexoutfits. Schram als blondierter Schönling inmitten junger Frauen in Catsuits. Wenigstens im Internet erweisen sich Identitäten und Körperbilder als divers und genuin fluid. So wird MeTube zur Fetischmaschine und das Home- zum Hochglanz-Musikvideo.

Zwischen Disco und Sadomaso-Darkroom inszeniert Regisseur Daniel Moshel einen minutiös choreografierten Trip ins Unterbewusste: Während die „Habanera“ in Schrams grandiosem Techno-Remix dröhnt, überlappen und kollidieren Geschlechter wie Realitäten, brechen sich unterdrückte Emotionen rauschhaft Bahn. MeTube ist dahingehend mehr als Musikvideo: ist Hommage, Kritik und pointierte Liebeserklärung an das Web und dessen User_innen im Taumel der (Selbst-)Darstellung. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Momenthaft und doch für die Ewigkeit.


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